Strom sparen: abschaltbare Steckdosen

Jetzt endlich habe ich es mal geschafft mich einen Abend hinzusetzen und alle Räume durchzugehen. Ich habe eine Liste gemacht mit allen Elektrogeräten nach Räumen und notiert, welche Geräte davon wohl ständig Strom verbrauchen. Grob gesagt sind das alle, die ein Ladegerät haben und die keinen mechanischen Aus-Knopf haben. Bei unserer Waschmaschine bin ich mir nicht sicher, daher bekommt sie einen Schalter. Außerdem habe ich mir notiert welche Geräte an einer Steckdose hängen und ob an der Stelle ein Stecker oder eine Leiste sinnvoller ist. Wenn die Steckdose nicht leicht erreichbar ist, macht dort ein Stecker natürlich keinen Sinn. In diesem Fall schließe ich eine Steckdosenleiste an, die dann leicht zugänglich ist.

Bei uns sind das die Geräte, die zukünftig abgeschaltet werden:

  • Waschmaschine
  • Elektrische Zahnbürste
  • Fernseher
  • Playstation
  • Jegliche Ladegeräte (Handy, Kindle, Babyphon, Laptop,…)
  • Bildschirm
  • Musikaufnahmeequipment

Da wir in unserer Altbauwohnung relativ wenige Steckdosen haben, haben wir viele Steckdosenleisten im Einsatz. Diese werden jetzt ersetzt. An den Steckdosen, an denen wir alle Geräte laden, kommen Steckdosenleisten zum Einsatz, bei denen man jeden eigenen Steckdosenplatz schalten kann. Irgendein Gerät lädt ja immer und daher würde ein Schalter dazu führen, dass die Steckdosenleiste eh immer an wäre. Leider, aber natürlich verständlicherweise, sind diese Leisten relativ teuer.

Wir stocken insgesamt auf mit folgendem Equipment:

  • 1x1er Stecker
  • 3x3er Stecker
  • 2x3er Leiste
  • 1x5er Leiste
  • 1x6er Leiste

Kosten von ca. 60€ fallen dafür an. Bei unserem Stromanbieter müssten wir also etwa 220kWh sparen, um diese Investitionen wieder herauszubekommen. Mal sehen wie lange wir dafür brauchen bzw. ob es überhaupt möglich ist. Auf der Fair Friends Messe haben wir uns mit einem Berater von Lichtblick unterhalten, der meinte, dass man alleine 25€ sparen könne, wenn man die Waschmaschine nicht am Strom lässt. Das dürfte damit dann wahrscheinlich die einfachste Einsparmöglichkeit sein.

Inzwischen sind die Steckdosen angekommen und wir haben alles angebracht. Bisher tun wir uns leicht damit daran zu denken die Steckdosen auch auszuschalten. Ich hoffe das bleibt so, aber sollte mit der Gewohnheit ja eigentlich eher einfacher werden.

10 aus 50 mit Leon/Fairtragen

Leon von Fairtragen war direkt dabei als ich ihn gefragt hab, ob er beim Interview mitmachen würde.

Ich finds toll, dass ich so langsam Kontakte in der nachhaltigen Branche bekomme und es wird mir auch wirklich leicht gemacht. Alle, die ich bisher angesprochen habe, waren sehr aufgeschlossen. Das gleiche Gefühl hatte ich gestern auf der Fair Friends Messe in Dortmund (der Bericht dazu folgt in den nächsten Tagen).

Ihr werdet schon in der ersten Frage erfahren, was Leon beruflich macht. Daher geht’s direkt los:

 

 

Hast du beruflich mit Nachhaltigkeit zu tun?

Ich bin Geschäftsführer bei fairtragen. Dort geht es natürlich viel um Nachhaltigkeit. Nicht nur die angebotene Kleidung und die Produktion sind nachhaltig. Wir versuchen kontinuierlich auch unsere internen Prozesse zu optimieren um weniger Papier + Strom zu verbrauchen und weniger Müll zu produzieren.

 

 

Was steht für dich beim Thema Nachhaltigkeit an erster Stelle? Mensch, Tier oder Umwelt?

Alles hängt ja miteinander zusammen. Umwelt- und Tierschutz ist die Voraussetzung dafür, dass es in späteren Jahren noch Menschen auf der Erde gibt. Trotzdem finde ich persönlich es besonders wichtig, Tiere zu schützen, denn sie können sich nicht selber wehren. Vor allem sollten Tiere vor Massentierhaltung bewahrt werden.

 

 

Wie ernährst du dich?

Ich versuche mich vegan zu ernähren. Meistens klappt das auch ganz gut. Wenn ich unterwegs Hunger / Durst bekomme und es keine Vegane Alternativen gibt, dann drücke ich da allerdings schon mal ein Auge zu.Genauso auch auf Familienfeiern oder Partys. Oder im Urlaub ein Croissant!

 

 

Was ist dein größter Nachhaltigkeits-Tipp?

Erstmal anfangen! Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist besser als gar keiner.

 

 

Viele glauben, dass die Menschheit in Zukunft pflanzlich isst. Was meinst du dazu?

Das glaube ich nicht. Zum einen ist es für viele Menschen sehr schwierig, ihre Gewohnheiten zu ändern. Auf der anderen Seite ist es manchmal (zumindest ökonomisch) sinnvoll, Tiere zu essen: auf einigen Landwirtschaftlichen Flächen ist kein Ackerbau möglich. Dort ist jedoch extensive Tierhaltung eine einfache Alternative. Für Menschen, die dort leben, sind diese Tiere dann die nahe liegendste Nahrungsmöglichkeit.Außerdem kann es gut sein, dass Insekten ein neuer Trend in der Nahrungsmittelproduktion werden.

 

 

Wie konsequent bist du? Verzicht oder nachhaltige Produkte?

Ich würde sagen: schon recht konsequent. Zum Beispiel verzichte ich fast komplett auf Flugreisen und fahre stattdessen mit der Bahn. Da kann ich mir dann zwar keine exotischen Urlaubsziele gönnen, aber dafür leckere Croissants in Frankreich 🙂

 

 

Welche Milchalternative magst du am liebsten?

Am liebsten mag ich Reismilch, weil sie so schön süß ist. Fürs Müsli mache ich mir zusätzlich einen Schuss Soja-Sahne rein und im Kaffee gefällt mir ein Schuss Soja-Sahne pur am besten.

 

 

Bist du Typ Online-Shopping oder stationärer Handel?

Ich finde es viel einfacher beim Laden um die Ecke zu kaufen. Dann kann ich mir die Produkte vorher genauer angucken und fühlen und somit die Qualität abschätzen. Außerdem verursache ich dadurch weniger CO2-lastige Transporte.

 

 

Hast du schonmal verpackungsfrei eingekauft?

Klar. Beim Bioladen bei mir um die Ecke gibt es viele Produkte, die mensch sich dort in Papiertüten abfüllen kann. Ich habe das noch optimiert und bringe mir dafür alte Gläser mit.Genauso einfach geht es bei jeden Bäcker: einfach die alte Papiertüte / den Jutebeutel mitbringen und auffüllen lassen 🙂

 

 

Woran denkst du beim Thema „Strom“?

Aus aktuellem Anlass: selber machen. Ich habe mir bei einer Baustelle vor ein paar Tagen einen alten Lüftungsventilator mitgenommen. Mit diesem versuche ich nun Strom zu erzeugen.Abgesehen davon natürlich: grün kaufen, denn nur mit nachhaltig produziertem Strom lässt sich der Klimawandel ein wenig aufhalten.

Vielen Dank, Leon, für die inspirierenden Antworten. Auf die Idee Strom selber zu produzieren (außer Solaranlagen natürlich), bin ich noch nicht gekommen. Und auch den Hinweis mit den Brötchentüten wollte ich schon so oft umsetzen und vergesse es dann doch immer wieder. Danke also fürs dran erinnern.

Wer sich Leon’s Laden Laden online ansehen möchte, kann einfach diesem Link hier folgen.

Der Wechsel zu Ökostrom

So ein Wechsel scheint erstmal furchtbar mühsam zu sein. Doch wenn man mal das Internet befragt, kommt man relativ schnell dahinter, dass es ganz tolle Anbieter gibt. In unserem Fall, können wir sogar günstiger Ökostrom beziehen als wir derzeit Strom über die Stadtwerke bekommen. Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet.

Ich habe bisher vielleicht 1-2 Stunden in Recherche investiert und mir zusätzlich unsere letzte Stromrechnung genauer angesehen. Wenn ich ehrlich bin, hab ich diese immer sofort in die Ablage gepackt, wenn es eine Gutschrift gab (wie immer in den letzten Jahren) und mich nicht weiter damit beschäftigt.

Jetzt bin ich drauf gekommen, dass wir zwar seit wir zu dritt sind, mehr verbrauchen als

vorher (logisch), aber immernoch weit unterm Durchschnitt liegen. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass wir auf ziemlich wenig achten, was Strom sparen würde. Damit soll ja jetzt Schluss sein. Ich bin also gespannt, was die nächste Abrechnung sagt. Vielleicht können wir uns ja doch wieder etwas verbessern. Wenn wir bewusster leben, sollten wir kaum Strom verbrauchen. Oder: die ganzen Sparmaßnahmen sind eher heiße Luft. Wir werden es sehen. Im Juni 2018 dann das Ergebnis.

Beim Ökostromanbieter ist mir wichtig, dass er unabhängig von Konzernen ist und seine Gewinne nicht in den Bau von Atom- oder Kohlekraftwerken steckt. Ich möchte 100% Strom aus erneuerbaren Energien beziehen und ich möchte mit meinem Geld auch nur diese unterstützen.

Greenpeace Energy hat recherchiert welche Konzerne hinter welchem Ökostromanbieter stehen. Hier könnt ihr euch die Ergebnisse ansehen.

Unabhängige Ökostromanbieter sind z.B. Naturstrom, Lichtblick, Greenpeace Energy, EWS Schönau, Polarstern und Bürgerwerke.

Polarstern und Bürgerwerke sind Startups in dem Bereich, die anderen sind schon alte Hasen. oekostrom-anbieter.info hat eine wunderbare Aufstellung gemacht und diese Anbieter gegenübergestellt. Ich bemühe mich jetzt nicht selber etwas ähnliches zu erstellen. Die Tabelle ist einfach super und enthält alle Daten, die man benötigt, um sich für einen Anbieter zu entscheiden. Hier kommt ihr zur Übersicht.

Für uns wäre Greenpeace Energy der günstigste Anbieter. Auf jeder Anbieterseite könnt ihr angeben, wie hoch euer Verbrauch ist und dann bekommt ihr den Preis angezeigt, der euch vielleicht auch überraschen wird.

Für uns ist es leider momentan aus persönlichen Gründen nicht sinnvoll den Anbieter zu wechseln. Daher müssen wir einen Kompromiss eingehen, der mir nicht so gut gefällt.

Wir werden bei den Stadtwerken bleiben und dort Ökostrom beziehen. Für 1€ mehr im Monat verzichtet man auf Elektrizität aus herkömmlichen Energiequellen und bezieht anstatt dessen Strom aus Wasserkraft. Bei der Abrechnung wird man am Ende (vielleicht) sehen, ob das tatsächlich zu 100% der Fall ist oder ob vielleicht doch etwas Energie aus herkömmlichen Quellen in den Mix mit eingeht. Wenn man mag, kann man 2€ zusätzlich zahlen, die dann in einen Fond gehen, der für den Ausbau erneuerbarer Energien in unserer Stadt eingesetzt wird. Ich bin noch unentschlossen, ob ich das gut finde oder nicht. Vielleicht sind die 2€ als Spende woanders besser aufgehoben.

Die Erlöse aus meinen Stromkosten werden weiterhin für alle Energiequellen eingesetzt. Das ist das, was mir an diesem Kompromiss nicht gefällt. Aber gut, alles zu seiner Zeit. Sobald es geht, wird gewechselt.

Da wir nun selber gar nicht wechseln, kann ich leider keinen Erfahrungsbericht zum Wechsel selber mit euch teilen. Das wird dann ebenfalls bei Zeiten nachgereicht.

Kann jemand von euch berichten, wie der Wechsel gelaufen ist?

10 aus 50 mit Vera

Für heute hat uns Vera ein paar Fragen beantwortet und wie sie selber schreibt, hat sie sich mit dem Interview schwer getan. Liebe Vera, du hast alles richtig gemacht. Genau die „einfach drauf los“-Antworten wollen wir hören.

Vera ist 38 Jahre alt und Mediengesgalterin für Digital- und Printmedien. Ich habe schon sehr viel mit Vera zusammengearbeitet und kann euch ihre Agentur rosapfeffer nur wärmstens empfehlen.

Außerdem veranstaltet sie zusammen mit einer Freundin zweimal im Jahr den Kreativmarkt frieda’s and friends in Schwerte. Wenn ihr noch nicht da wart, schaut es euch unbedingt an.

Kommen wir zu Vera’s Vorwort und ihren 10 Fragen und Antworten. Viel Spaß beim Lesen!

Mit diesem Interview habe ich mich total schwer getan: Zunächst habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt der richtige Interviewpartner bin, ob ich mit dem Thema Nachhaltigkeit überhaupt etwas zu tun habe, bzw. ob ich etwas dazu zu sagen habe, was andere interessieren könnte. Dann wollte ich alles „richtig“ beantworten … puh,ich habe die Beantwortung immer weiter vor mir hergeschoben. Aber: es gibt kein Richtig oder Falsch und je länger ich darüber nachgedacht habe, umso mehr Ideen und Antworten schwirrten mir durch den Kopf. Daher habe ich mich letztlich entschieden, einfach loszuschreiben – auf geht`s:

Hast du beruflich mit Nachhaltigkeit zu tun?

Ich bin Mediengestalterin/Grafikerin und beschäftige mich mit Werbemaßnahmen von Unternehmen. Auf den ersten Blick hat das nichts mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ zu tun, aber wie so oft steckt die Nachhaltigkeit im Detail: Wenn es der Job hergibt, achte ich z. B. auf klimaneutralen Druck bzw. Versand.

Was ist dein größtes persönliches Nachhaltigkeits-Projekt?

Habe ich ein „Projekt“? Irgendwie ist das Thema bei mir schon immer da gewesen und ich mache mir selten einen Kopf darüber. Alles, was ich zu dem Thema „mache“, passiert automatisch, weil es mir beigebracht wurde oder ich es mir angeeignet habe. Offensichtlich habe ich großes Interesse an Nachhaltigkeit, ohne, dass ich es als Zwang empfinde – das erscheint mir ein gesunder Umgang mit dem Thema zu sein.

Die Antwort auf Deine Frage: Wenn ich ein „Projekt“ habe, dann bin das wohl ICH. 😉

Hat Nachhaltigkeit schon in deiner Kindheit eine Rolle gespielt?

Vielleicht stand das Thema in meiner Kindheit noch nicht so im Fokus oder ich habe es als Kind nicht mitbekommen. Schon früh wurde mir beigebracht,

– den Müll zu trennen oder noch besser, erst gar nicht so viel Müll zu produzieren

– dass man den Müll in dafür vorgesehene Behälter und nicht achtlos wegwirft

– Mehrweg-Taschen zu benutzen

– Wasser nicht sinnlos laufen zu lassen

– Licht auszuschalten, wenn ich den Raum verlasse.

Es wurde nicht immer alles neu gekauft, wenn man es auch umgehen konnte (Kleidung des Bruders aufgetragen , Spielsachentausch mit Freunden). Außerdem hatten wir Obst und Gemüse im Garten, wodurch ich schon früh ein Bild davon bekam, wann welches Lebensmittel Saison hat.

Für`s Einkochen und Bevorraten hatte meine Oma noch extra Kellerräume.  All das war aber „normal“. Keiner sprach davon, besonders nachhaltig leben zu wollen, das war eine Einstellung und auch abhängig von den damaligen Lebensumständen.

Ist dein Umfeld sensibel für das Thema Nachhaltigkeit?

Auch diese Frage habe ich mir noch nie bewusst gestellt, aber ich würde sie mit einem klaren Ja beantworten. Manchmal sensibilisiere ich die Leute erst, weil ich ein entsprechendes Thema anspreche, manchmal bin ich aber auch von einem Thema eines anderen angefixt und informiere mich weiter. Win-win-Situation! 😉

Was ist dein größter Nachhaltigkeits-Tipp?

Seid interessiert und tolerant. Wenn es Euch anspricht, probiert es aus. Dann kann man immer noch entscheiden, ob man es weitermachen möchte oder ob es für einen nicht passt. Es sollte unverkrampft sein, damit es selbstverständlich wird. Das ist und sollte ganz individuell bleiben, ohne zu verurteilen.

Bist du eher Typ Make or Buy?

Ich glaube, ich bin Buyke … also von beidem etwas. Ich kaufe, probiere total gerne aus und teste, bevor ich mir ein Urteil erlaube. Nur sind viele Dinge leider teuer.

Wenn ich etwas selbst herstellen kann, ist das noch besser, weil mir das Machen einfach Spaß macht und es oftmals sogar günstiger ist.

Naturkosmetik – Ja oder Nein?

Nur Naturkosmetik! Da ich unter einer Duftstoffallergie leide, musste ich schon immer auf Inhaltsstoffe achten. Vieles vertrage ich nicht. Früher war das viel problematischer, an entsprechende Produkte dranzukommen. Heute gehe ich in einen dm-Markt oder in einen Bioladen (*zack* da habe ich noch die Beantwortung einer weiteren Frage eingebaut ;)) und finde eine große Auswahl an Produkten. Allerdings muss ich auch die Naturprodukte auf Verträglichkeit testen. Wenn meine Haut reagiert, freuen sich Freunde oder Familienmitglieder über ein neues Pflegeprodukt und ich mache mein Deo oder Gesichtspuder doch wieder selbst.

Welche Milchalternative magst du am liebsten?

Mandelmilch (die kann man übrigens auch selbst herstellen)

Was ist dein liebstes faires/öko-Produkt?

OMG, was könnte das sein? Da gibt es unendlich viele aus den verschiedensten Bereichen: selbstgemachter WC-Reiniger, Shirts aus Holz oder MensCups – die Palette ist riesig. Allein zum Thema MensCup könnte ich vermutlich weitere zehn Fragen beantworten.

Was magst oder magst du nicht an Fairnica

Fairnica beschäftigt sich mit Themen und Menschen, die mich interessieren. Fairnica setzt Impulse, ohne den mahnenden Finger zu erheben, und bringt mich auf neue Ideen. (Danke an Mia von Atroksia: Ecosia kannte ich noch gar nicht und jetzt pflanze ich damit Bäume.)

Liebe Vera, vielen Dank für dein Interview. Ich hoffe das Thema Nachhaltigkeit wird zukünftig für viel mehr Menschen so alltäglich und normal wie für dich. Ich habe schon wieder so viele Anregungen bekommen und werd dich bei Zeiten mal nach den Rezepturen für deine selbstgemachten Produkte befragen 🙂

Welche Produkte macht ihr selber?

10 aus 50 mit Gudrun

Ich freue mich besonders über das Interview von Gudrun, weil sie die erste in dieser Reihe ist, die sich aktiv im Umweltschutz engagiert. Gudrun ist 45 Jahre alt und Personalsachbearbeiterin. In ihrer Freizeit ist sie im Vorstand des Projekts Project Blue Sea, über das ihr gleich noch mehr lesen werdet, tätig. 

So beschreibt sich Gudrun selber:

Ich bin verheiratet und habe einen Sohn. Ich engagiere mich im Umwelt- und Tierschutz und versuche im Alltag, meinen öko-sozialen Fußabdruck möglichst klein zu halten. 

 Nun aber viel Spaß beim Lesen:

Was steht für dich beim Thema Nachhaltigkeit an erster Stelle? Mensch, Tier oder Umwelt?

Ich glaube, dass das alles so eng miteinander verbunden ist, dass man es nicht trennen kann. Wenn man z.B. drauf achtet, faire Sachen zu kaufen, ist es fast immer auch besser für die Umwelt. Wenn man Biofleisch kauft, ist es auf jeden Fall auch besser für die Umwelt, da es meist regionales Fleisch ist und die Bauern werden auch angemessener bezahlt. Wenn man weniger Auto fährt oder fliegt, ist es besser für das Klima und auch für die Menschen, die in klimawandelgefährdeten Regionen leben. Dafür gibt es noch viele Beispiele, leider auch andersherum.

 

Welches Problem, glaubst du, muss als erstes angepackt werden?

Auf jeden Fall das Klima!!!! Wenn da nicht langsam was passiert, sind alle anderen ökologischen Vorhaben egal, weil wir mit dem Retten der Menschen aus den Katastrophengebieten beschäftigt sein werden. Es ist ja jetzt schon so, dass viele der zu uns kommenden Flüchtlinge, wenn man der Ursache ganz auf den Grund geht, Klimaflüchtlinge sind.

Um das Klima noch zu retten müssen wir dringend weniger Auto fahren, weniger fliegen und weniger Fleisch essen!

 

Hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du etwas konventionell kaufst?

Ehrlich gesagt inzwischen ja. Mein Bedürfnis, bio und fair zu konsumieren wächst stetig mit jeder neuen Information über die Auswirkungen unseres Lebensstils auf die Umwelt. Aber natürlich bin ich ja auch nur ein Mensch in der westlichen Welt. Und oft ist dann doch keine Zeit, um in den Biomarkt zu fahren oder ich lasse mich von doofer Werbung und billigen Preisen verführen.

 

Würdest du gerne auch beruflich etwas mit Nachhaltigkeit machen?

Oh ja, das fänd ich wirklich toll! Ich hatte auch mal Ideen, bin aber ein zu vorsichtiger Mensch, um alleine was ganz neues zu starten. Ich wollte dann aber wenigstens in einem umweltbewussten Betrieb arbeiten und habe mich von einem Sternehotel (die damit mal so gar nix zu tun haben wollten) weg zu „Spinnrad“ beworben. (Für die ganz jungen Leser: das war mal eine umweltbewusste Einzelhandelskette). Die haben aber leider 2002 pleite gemacht. Nun arbeite ich in einem „normalen“ Betrieb. Das ist zum Geldverdienen, für die Erfüllung bin ich im Vorstand von Project Blue Sea e.V..

 

Versteckst du manchmal, dass du dir über Nachhaltigkeit Gedanken machst?

Heute nicht mehr. Ich habe es lange Zeit gemacht, weil ich nicht auffallen wollte. Vor ca 20 Jahren wurde ich tatsächlich noch geärgert, wenn ich in meinem damaligen Job Papier in die damals noch recht neuen Papiercontainer brachte! Gott sei Dank ist das Thema Umweltschutz inzwischen bei vielen Menschen normal geworden.

 

Bioladen oder DM-Bio?

Beides! Die Bioläden sind ja leider immer noch nicht so weit verbreitet. Seit ca. zwei Jahren bekommen wir eine Biokiste. Damit können wir schon mal die frischen Produkte wie Obst, Gemüse, Brot und Milchprodukte abdecken. Aber mit Hygiene-, Kosmetik- und Putzmitteln sind die nicht so gut ausgestattet. Natürlich sind die DM-Bio-Produkte mit dem EU-Biosiegel nicht so „doll“ bio wie es die Produkte in den Bioläden sind aber es ist ja besser als gar kein Bio und es ist ja auch nicht ökologisch, wenn man für ein, zwei Produkte mit dem Auto zum Biomarkt fährt. Und schnell gehen muss es ja heute leider auch alles.

 

Wo kaufst du dein Fleisch?

Ich selber esse gar kein Fleisch aber meine Familie (leider) sehr gerne. Meistens kaufe ich das Fleisch bei einem Neuland-Metzger. Die Neuland-Richtlinien beziehen sich hauptsächlich auf das Tierwohl und das ist mir da auch besonders wichtig. Das heisst, dass die Tiere z.B. nicht wie beim Demeter-Verband nur Biofutter bekommen aber die Haltung der Tiere ist schon sehr tiergerecht, soweit man bei Schlachttieren da überhaupt von sprechen kann. Da das Fleisch natürlich seinen Preis hat, gibt es bei uns nicht so häufig Fleisch. Wenn man ein bisschen kreativ ist beim Kochen, kriegt man so auch zwei Fleischfans ohne Fleisch satt.

 

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?

Weltfrieden und keinen Hunger mehr klingt ja wirklich kitschig, das wäre er aber wohl. Das witzige ist, dass es ja dafür gar kein Wunder bräuchte. Die Erde hat genug Platz und Nahrung für uns alle, es braucht nur ein bisschen mehr Toleranz Andersdenkenden gegenüber und einer gerechteren Verteilung. Also nicht immer alles, jetzt und hier.

 

Engagierst du dich in Organisationen? In welchen?

Ich bin im Vorstand von Project Blue Sea e.V. tätig. Wir sind eine kleine Meeresschutzorganisation mit Sitz in Herne (tatsächlich: Meeresschutz im Ruhrgebiet!). Neben den allgemeinen „Meeresanliegen“ sind unsere Hauptstandbeine die Rehabilitation von verölten Seevögeln und die Aufklärung über das Thema „Müll im Meer“. Obwohl wir ein kleiner Verein sind, haben wir in diesen beiden Bereichen schon sehr viel erreicht. Das kann man natürlich alles unter http://www.projectbluesea.de nachlesen. (Ein bisschen Eigenwerbung muss sein, )!Da ich ja beruflich auch kaufmännisch tätig bin und mir so ein Schreibkram auch liegt, kümmere ich mich in unserem Verein als Schatzmeisterin um alles, was mit Geld zu tun hat. Da wir keinen Steuerberater haben, ist das gar nicht so wenig. Natürlich bin ich auch bei aktiven Einsätzen wie Strandreinigungsaktionen, Infoständen oder dem Auf- und Abbau unserer Müllausstellungen dabei. Da aber alle Aktivisten dort sehr gute Freunde geworden sind, sehe ich es gar nicht so als Arbeit eher als nette Freizeitgestaltung an.

 

Auto, Fahrrad oder Bahn?

Natürlich Fahrrad am liebsten! Geht aber leider nicht so oft. Meine Arbeitsstelle ist 25 km weg und die Einkäufe sind leider auch nicht immer mit dem Fahrrad machbar. Bahn ist uns oft für eine Reise zu teuer, vor allem, wenn man mit mehreren ist. Dann wird es leider doch oft das Auto. Damit meine Emissionen dabei nicht ganz so hoch sind, habe ich mir vor  Jahren ein Gasauto zugelegt. Ich hoffe, dass das nun so lange hält, bis Stromautos besser und vor allem günstiger sind.

 

Danke dir, liebe Gudrun, besonders für den Einblick in deine Arbeit bei Project Blue Sea. Ich finde es richtig toll, was ihr da auf die Beine stellt und hoffe, dass ihr vielleicht den ein oder andern Unterstützer findet.

An alle Amazon-Käufer: Ihr könnt Project Blue Sea mit Amazon Smile unterstützen. Geht einfach auf https://smile.amazon.de, wählt Project Blue Sea aus Herne aus und kauft ganz normal ein. Ein paar Prozent des Einkaufswertes gehen dann an das Projekt.

Selbstversuch: Strom sparen

Im Strom sparen sind wir bisher ziemlich schlecht. Viele Geräte sind auf Standby, weil es uns zu umständlich ist, den Stecker zu ziehen. Natürlich wissen wir, dass das nicht clever ist. Vor allem, weil z.B. der Fernseher kaum noch läuft seit unsere Tochter da ist.

Am liebsten würde ich (als bekennender Technik-Nerd) unsere Wohnung mit Smart Home ausstatten, doch da wir zur Miete wohnen, ist mir die Investition zu hoch. Bis zum Eigenheim muss es also noch anders gehen.

Mein Action-Plan sieht drei Schritte vor.

  1. Wechsel zu einem Ökostromanbieter, damit der Strom, der weiterhin verbraucht wird, wenigstens kein schlechtes Gewissen hinterlässt.
  2. Alle Räume mit ausschaltbaren Steckdosenleisten versehen
  3. Glühbirnen in LEDs auswechseln

 

Zum dritten Punkt gibt es bereits einen Beitrag in diesem Blog. Ich habe mir aber bisher zu wenige Lampen vorgeknöpft. Zu den anderen beiden Punkten folgen die Artikel in den nächsten Tagen. Und damit ich auch mit Zahlen punkten kann, werde ich mal den Zeitaufwand und die Kosten zusammentragen.

10 aus 50 mit Sarah

Für heute hat sich Sarah 10 Fragen ausgesucht und für uns beantwortet. Ich bin ein bisschen neidisch auf ihre Familienfeiern, so ein veganes Festessen hätte ich auch gerne 🙂

Viel Spaß beim Lesen von Sarah’s Fragen und Antworten. Sie hat sich ein paar Fragen ausgesucht, die noch nie dabei waren. Umso spannender sind ihre Antworten.  

 

Hast du beruflich mit Nachhaltigkeit zu tun?

Im Grunde nicht. Aber, ich versuche mich auch auf der Arbeit möglichst nachhaltig zu verhalten.

Beispielsweise versuche ich möglichst viele dienstliche Angelegenheiten per Mail oder Telefon zu regeln, um nicht immer alles schriftlich auf Papier drucken zu müssen.

Wasser nehme ich mir größtenteils in einer wiederverwendbaren Flasche mit; Essen koch ich mir abends vor, um mir nicht in der Mittagspause irgendwas Verpacktes kaufen zu müssen.

Den Arbeitsweg bestreite ich immer mit der Bahn.

 

Was ist dein größtes persönliches Nachhaltigkeits-Projekt?

Im Moment versuche ich im Bereich Kosmetik umzusteigen, was aber gar nicht so einfach ist und mir auch immer schon am Schwersten gefallen ist.

Anstoß dazu hat mir der Shampoo-Test auf Fairnica gegeben. Ich habe vor Jahren auch mal das Alverde-Shampoo von dm ausprobiert, womit ich aber gar nicht klargekommen bin.

Irgendwie hatte sich das Thema dann für mich erledigt. Nach dem Test habe ich auch mal wieder den Versuch gewagt und bin nun bei Lavera hängen geblieben. Anscheinend hat sich in diesem Bereich auch Einiges getan und ich versuche nun nach Shampoo und Duschgel, auch Waschmittel etc. umzustellen. Habe aber noch nicht in jedem Bereich eine gute Alternative gefunden.

 

Kaufst du Second Hand?

Hab ich mal ausprobiert; auf der Plattform „Kleiderkreisel“. Leider aber etwas schwierig. Da alles online abläuft und man kein gesetzliches Rückgaberecht hat, habe ich auch ein paar Mal richtig danebengelegen und Kleidung gekauft, die mir nicht passte oder mir nicht mehr gefallen hat.

Wirklich tolle Second-Hand-Läden habe ich auch noch nicht entdeckt, weshalb das Thema momentan keine große Rolle bei mir einnimmt. Aber andersrum fange ich vermehrt an, eigene Kleidung auszusortieren und zu verkaufen bzw. zu spenden.

 

Hat Nachhaltigkeit schon in deiner Kindheit eine Rolle gespielt?

Definitiv ja. Besonders Tiere spielten dabei eine große Rolle. Meine Schwester und ich haben von klein auf gelernt, besonders vor Insekten o.ä. Tieren keine Angst oder Ekel zu haben. Jedes Tier, was sich ins Haus verirrte, wurde eingefangen und draußen wieder ausgesetzt. Wir hatten sogar eine Hausspinne, die den Namen „Anneliese“ trug. Sie wohnte in einem gebundenen Kranz, der bei uns im Flur hing. Durch sie waren wir im Sommer nahezu mückenfrei….Ganz schön verrückt, wenn man so darüber nachdenkt-….war aber so 🙂

Da mein Großonkel Schlachter war und einen eigenen Bauernhof hatte, haben wir unser Fleisch immer direkt vom Hof bekommen. Mehr Bio geht wohl nicht.

Außerdem kann ich mich erinnern, dass es bei uns grundsätzlich keinen Weichspüler gab und auch Alufolie oder ähnliches kaum zum Einsatz kam. Wenn wir Ausflüge gemacht haben, wurde grundsätzlich Verpflegung von zu Hause mitgenommen. Mc Donalds habe ich erst in meiner Jugend kennengelernt.

 

Vegetarisch oder Vegan?

Bisher vegetarisch. Vegan halte ich in der Umsetzung leider für mich noch für zu schwierig. Als ich vor ca. 6 Jahren anfing, mich vegetarisch zu ernähren, war es oft im Restaurant schon schwer genug, etwas vegetarisches zu finden. Das hat sich zwar in den letzten Jahren schon stark gebessert, aber da ist noch Luft nach oben. Oft empfinde ich es auch bei Einladungen schon als unangenehm, wenn extra für mich etwas Vegetarisches gekocht werden muss, oder ich mir mein Essen selbst mitbringen muss. Zurzeit würde ich mich als Teilzeit-Veganer beschreiben, der aber noch oft und gerne Ausnahmen macht…besonders wenn es um Käse geht. 🙂

Das Schöne ist, dass meine Eltern beide angefangen haben sich vegan (allerdings auch mit Ausnahmen) zu ernähren. Bei Familienfeiern kommt man da also nicht in Bedrängnis. Mittlerweile ist man bei uns als Fleischesser in der Unterzahl.

 

Was stört dich an Fair/Eco Fashion?

Für mich als 1,81 m-Frau ist es eh schon schwer genug, passende Klamotten zu finden. Dann noch fair bzw. eco zu sein, ist natürlich noch viel schwerer. Und eine Marke habe ich für mich da auch noch nicht gefunden, die zum Beispiel Hosen anbietet, die lang genug für mich sind. Ich würde mir also noch etwas mehr Auswahl wünschen…aber ich denke…das wird kommen.

 

Spendest du an irgendwelche Organisationen?

Als mein Mann und ich fest ins Berufsleben eingestiegen sind, haben wir uns überlegt, dass wir jetzt eigentlich auch nen bisschen was abzwacken können, um etwas Gutes zu tun.

Entschieden haben wir uns dann für Greenpeace; SOS-Kinderdörfer und Aktion Mensch. Somit sind quasi alle Bereiche berücksichtigt.

 

Welche Frage hättest du gerne beantwortet?

Interessieren würde mich auf jeden Fall die „Wie ernährst du deine Kinder“-Frage.

Ich habe zwar (noch) keine Kinder, frage mich aber trotzdem manchmal, wie ich das handhaben würde, wenn ich Kinder hätte.

Das fängt ja schon in der Schwangerschaft an. Ernähre ich mich dann trotzdem weiterhin vegetarisch und hinterher auch die Kinder? Oder sogar vegan?

Da wäre ich zurzeit noch ratlos.

 

Wie konsequent bist du? Verzicht oder Nachhaltige Produkte?

Ehrlich gesagt, wäre da durchaus noch Luft nach oben.

Ich versuche mich auf jeden Fall nachhaltig zu verhalten, gehe aber trotzdem den bequemen Weg dabei. Ich bin noch nie wirklich in die Situation gekommen, dass ich aus Nachhaltigkeitsgründen auf irgendwas bewusst verzichtet habe; außer vielleicht auf Fleisch. Ich fliege weiterhin in den Urlaub; auch Langstrecke. Und wenn mir etwas richtig gefällt, dann kaufe ich es, Produktionsbedingungen hin oder her.

Aber ich denke, dass das auch ein Problem ist, was das nachhaltige Verhalten so schwer macht. Sobald jemand erfährt, dass man z.B. aus Umweltschutzgründen keine Kaffee-to-go-Becher benutzt, wird direkt aufgezählt, was man dann sonst aber auch alles anders machen müsste…und wie inkonsequent man eigentlich ist. Das nervt mich sehr. In vielen Köpfen gibt es wohl nur 100% oder gar nichts. Viel besser wäre es doch, wenn jeder seinen kleinen Beitrag leisten würde, ohne sich dafür rechtsfertigen zu müssen, dass es auch Bereiche im Leben gibt, in denen man (noch) nicht nachhaltig agiert.

 

Was hältst du von Kleidung aus recyceltem Plastik?

Diese Frage finde ich toll. Denn das ist genau die Falle, in die ich auch immer wieder gerne tappe. Da sieht man ein Schild „ Kleidung aus recycelten Plastikflaschen“ und denkt sich direkt: „Klasse, das muss ich unterstützen“; kauft so ein Teil und hat das gute Gefühl etwas für die Umwelt getan zu haben.

Beschäftigt man sich dann näher mit dem Thema, stellt man fest, dass diese Anpreisung auch nur eine Masche ist, um dem größer werdenden Nachhaltigkeitsinteresse der Kunden gerecht zu werden.

Um das Plastik weiterverarbeiten zu können, bedarf es einer Menge Energie und Chemie. Zudem kann Plastik aus dem Meer giftige Schwermetalle enthalten, die man nicht wirklich gerne auf der Haut tragen möchte.

 

Vielen Dank, liebe Sarah, für deine ehrlichen Antworten. Habt ihr Fragen an Sarah? Dann schreibt sie einfach in die Kommentare. 

10 aus 50 mit Anja

Heute dürfen wir uns über die Fragen und Antworten von Anja freuen. Anja ist 41 Jahre alt, Lehrerin und „radverrückte Grasesserin mit neuentdeckter Liebe zum Landleben“. 🙂

Sie ist hier die erste Veganerin unter den Interviewten und hat sogar einen eigenen Blog zum Thema mit ganz vielen leckeren Rezepten und Produktvorschlägen. Kann ich euch sehr empfehlen. Vegan Kingdom findet ihr hier

Seit Anja aus dem Ruhrgebiet zum Bodensee gezogen ist, sehen wir uns leider nicht mehr so häufig. Zum Glück hält das aber heute nicht mehr davon ab sich weiter auszutauschen. Und so freue ich mich, dass Anja bei 10aus50 mitgemacht hat. Hier sind ihre Fragen und Antworten:


Wie ernährst du dich?

Ich ernähre mich seit über fünf Jahren vegan. Davor war ich etwa für ein Jahr Vegetarierin. In diesem Jahr hab ich mich ausführlich mit dem Thema Massentierhaltung beschäftigt und da war vegan zu werden nur der logische Schritt. Ich hab allerdings erst eine Testphase gemacht und ausprobiert, ob ich z.B. auf Milch verzichten kann. Denn erst groß verkünden, dass ich nun Veganerin bin und dann einen Rückzieher machen wegen „geht doch nicht“, wollte ich auch nicht.


Naturkosmetik – Ja oder Nein?

Ja! Spätestens seit ich über Microplastik gelesen und den Film „Plastic Planet“ gesehen habe, benutze ich fast ausschließlich Naturkosmetik oder zumindest Produkte, von denen ich weiß, dass sie ohne Microplastik sind. Ich befinde mich aber durchaus in manchen Bereichen noch in der Testphase. So hatte ich dann irgendwie doch noch normale Sonnencreme. In der ersten Schönwetterphase dieses Jahr hatte ich aber immer das Gefühl, dass ich mir damit regelrecht die Haut zukleister und hab sie dann doch mal entsorgt. Außerdem hab ich eine ziemlich empfindliche Gesichtshaut, da hab ich auch noch nicht die optimalen Produkte gefunden.

Hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du etwas konventionell kaufst?

Ja, hab ich manchmal schon, aber andererseits sage ich mir dann, dass es immer noch besser ist, möglichst oft nachhaltig und bio zu kaufen, als es gar nicht erst zu versuchen. Das ist beim Vegansein ähnlich. Ich bemühe mich, so vegan wie möglich zu leben, bin mir aber bewusst, dass das nicht zu 100% möglich ist. Ich fände es ziemlich anstrengend, wenn ich bei diesen Themen total verbissen versuchen würde, alles perfekt zu machen, denn dann kann man das bestimmt nicht durchhalten.

Würdest du gerne auch beruflich etwas mit Nachhaltigkeit machen?

Ich würde zumindest meinen Schülerinnen und Schülern gerne die Wichtigkeit des Themas Nachhaltigkeit besser und verständlicher näher bringen. Da die aber alle in der Pubertät stecken, ist es nicht so einfach, bei ihnen anzukommen, ohne nur als Moralapostel rüberzukommen, der irgendwas von Mülltrennung faselt. Sie wissen, dass ich vegan lebe und das ist zumindest oft ein Gesprächsanlass, weil Kinder und Jugendliche viel offener und echter interessiert nachfragen (und die berühmte Frage, wo ich denn bloß meine Nährstoffe herkrieg, nicht gestellt wird). Aber insgesamt wird dieses Thema in den Schulen zu wenig ernst genommen.

Und manchmal denk ich drüber nach, ob ich vielleicht zusätzlich noch was im Bereich Nachhaltigkeit arbeiten könnte…


Welche Milchalternative magst du am liebsten?

Eindeutig abhängig davon, für was ich sie benutzen möchte, aber eigentlich eindeutig Buchweizenmilch! Allerdings schmeckt mir Sojamilch am besten im Kaffee, das geht aber nur ab und zu, da ich Soja in Milch- oder Joghurtform leider schlecht vertrage. Ich hab eine absolute Lieblingsmarke, und zwar Hofgut Storzeln. Die haben Soja-, Hafer-, Dinkel- und eben Buchweizenmilch. Alle Sorten sind unglaublich lecker und in meinem Fall für mein Nachhaltigkeitsgewissen sehr gut, denn der Hof ist grad bei uns ums Eck und ich kenne den Besitzer persönlich.


Was magst oder magst du nicht an Fairnica?

Euch gelingt es bei Fairnica Themen anzusprechen und das Gewissen anzuregen, ohne dass es mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommt. Es macht einfach Spaß eure Sachen zu lesen und trotzdem wird man zum Nachdenken angeregt. Außerdem hat mich eure Seite wieder selbst zum Bloggen zurückgebracht, auch wenn ich das nicht so regelmäßig schaffe wie ihr oder wie ich es gerne möchte.


Hast du schonmal verpackungsfrei eingekauft?

Ich find das eine super Sache und lese immer mal von verpackungsfreien Supermärkten. Allerdings dachte ich, dass meine Optionen hier auf dem Land eher schlecht wären. Um so größer meine Freude als ich auf Empfehlung einer Bekannten einen Hofladen getestet habe und dort eine Reihe von Produkten verpackungsfrei vorfand. Sie haben auch ein Pfandsystem mit Joghurtgläsern, falls man kein eigenes Gefäß dabei hat. Da kaufen wir jetzt häufiger ein. Und beim genaueren Drübernachdenken ist es ja auch gar nicht so erstaunlich, dass es ausgerechnet in Hofläden verpackungsfreie Produkte gibt…


Spendest du an irgendwelche Organisationen?

Wir unterstützen den Gnadenhof Hof Butenland und Spenden da als Paten für das Schwein Rosa Mariechen. Sie ist als Ferkel einfach auf den Müll geschmissen worden, konnte gerettet und wieder aufgepäppelt werden und führt jetzt ein sorgenfreies Leben auf dem Hof.


Woran denkst du beim Thema „Strom“?

Daran, dass ich immer noch mehr Strom sparen könnte, mein Gewissen aber trotzdem halbwegs rein ist, da wir unseren Strom von Greenpeace Energy beziehen.


Auto, Fahrrad oder Bahn?

Fahrrad!!! Seit wir vor drei Jahren aufs Land gezogen sind, fahre ich fast alle Wege mit dem Rad. Der einfache Weg zur Arbeit hat 5km, eine optimale Entfernung und den Buckel rauf geht’s erst auf dem Heimweg. Wir sind hier auf dem Dorf eine ziemliche Seltenheit damit, dass wir nur ein Auto besitzen, aber bisher klappt es, zumal ich auch im Winter radel. Nachdem ich im Ruhrgebiet quasi von September bis März dauererkältet war, hab ich hier schon ewig nichts gehabt. Von demher ist das Radfahren nicht nur nachhaltig, sondern auch noch gut fürs Immunsystem. Und ich bin auch noch auf den Geschmack gekommen und hab das Radfahren zu meinem neuen Sport gemacht (für’s Joggen fand ich es hier eh zu hügelig).

 

Vielen Dank, liebe Anja, für deinen Blick auf die Dinge. Behalte das Bloggen bei. Wir mögen die Anregungen, die wir von dir bekommen. 

 

Fair Fashion Label: erlich

erlich ist ein junges Wäsche-Label aus Köln. Sie ermöglichen es uns nicht nur Oberbekleidung, sondern auch Unterwäsche, die fair produziert wurde, zu tragen. Mir gefällt die Wäsche sehr gut. Vor allem der Body Marlene und die neue Spitzenkollektion haben es mir angetan. 


Copyright: Erlich textil

Die Preise sind mit unter 30€ für einen BH und unter 20€ für einen Slip, sehr moderat. Erlich Textil kooperiert bei der Herstellung mit einer GOTS, BSCI und ÖkoTex 100 zertifizierten, familiengeführten Textilmanufaktur  auf der schwäbischen Alb. Produziert wird in Deutschland und Rumänien. Erlich verzichtet auf Einzelhändler und Fremdvertrieb und hält so einige Parteien heraus, die gerne mitverdienen würden. Der Kauf erfolgt im eigenen Webshop und die Wäsche wird direkt aus der Produktionsstätte an die Kunden verschickt. So werden nicht nur Kosten gespart, sondern auch unnötige Transportwege. 

Auch Männer können sich freuen, denn sie können dank friedrich, karl und gustav 🙂 auch die faire erlich Unterwäsche genießen. 

Hier geht es zum erlich Shop für Männer und Frauen
Hat jemand von euch schon Erfahrungen mit Produkten von erlich gemacht? 

10 aus 50 mit Tommy

Heute gibt es das erste Interview mit einem männlichen Protagonisten. Und dann auch noch mit meinem Mann 🙂 Ihr denkt, ich hätte alle Antworten voraussehen können? Weit gefehlt. Ich bin bei einigen Antworten überrascht. Auch nach 13 Jahren gibt es immer wieder Dinge, die man über seinen Partner lernen kann. Ist das nicht schön? 

Tommy ist 30 Jahre alt, Immobilienkaufmann und musikbegeisterter Familienvater und hier sind seine Fragen und Antworten:

Hast du beruflich mit Nachhaltigkeit zu tun?

Als Immobilienkaufmann komme ich sehr häufig mit dem Thema Nachhaltigkeit in Berührung. Wie auch in vielen anderen Branchen und auch in der Gesellschaft allgemein gewinnt dieses Thema immer stärker an Bedeutung. Speziell bei der Planung von neuen Bauvorhaben führt am Thema erneuerbare Energien (richtigerweise) heutzutage kein Weg vorbei. Manchmal habe ich aber den Eindruck, das Thema wird in meiner Branche zu hoch gehangen. Beispielsweise muss Wohnungssuchenden bei der Besichtigung einer Mietwohnung per Gesetz der Energieausweis vorgelegt werden, d.h. der Ausweis muss haptisch vor Ort verfügbar sein. Tatsächlich fragen tut danach aber kaum jemand und ich persönlich habe den Eindruck, dass die Energieeffizienz (möglicherweise: noch) nur eine sehr untergeordnete Rolle bei der Auswahl einer Mietwohnung spielt.

Ist dein Umfeld sensibel für das Thema Nachhaltigkeit?

Ich nehme schon wahr, dass sich immer mehr Menschen in meinem Umfeld mit dem Thema auseinandersetzen. Dabei beobachte ich die unterschiedlichsten Reaktionen. Einige sind sehr interessiert und fangen auch an, sich für das Thema zu interessieren und andere belächeln es eher und schenken ihm keine besondere Beachtung. Was mich dabei stört ist, dass es eine Art „Schwarz / Weiss“ Mentalität zu geben scheint. Es wirkt manchmal so, als wäre es nicht möglich, in bestimmten Bereichen des Lebens auf Nachhaltigkeit zu achten, und in anderen nicht. Dabei glaube ich persönlich, dass sich schon etwas ändern würde, wenn jeder in einem / oder mehreren Bereichen seines Lebens auf Nachhaltigkeit achten würde.

Bist du eher Typ Make or Buy?

Ich wäre sehr gerne eher der Typ „Make“ – aber es fehlt mir in vielen Bereichen leider an handwerklichem Geschick und an Geduld. Von daher: Buy! Ich habe mir aber vorgenommen künftig genauer zu überlegen, wofür es sich lohnt auch Mal etwas mehr Geld auszugeben und dabei auch das Thema Nachhaltigkeit im Auge zu haben.

Wie viel darf Fair und Eco Fashion kosten, damit du es kaufst?

Wenn ich überlege, wie viel Geld ich in meinem bisherigen Leben teilweise für „unfair“ Fashion ausgegeben habe, sehe ich keinen Grund, warum Fair und Eco Fashion nicht in einem ähnlichen Preissegment liegen sollte wenn die Qualität stimmt. Kostet also eine Hose von „Diesel“ oder „Drykorn“ schnell Mal 140€, würde ich das auch für Fair Faishion investieren. 

Was kaufst du eher fair bzw. eco? Basics oder restliche Kleidung?

Da ich in einer eher konservativen Branche arbeite ist es so, dass ich bei meiner beruflichen Kleidung nicht auf Fair Fashion achte. Hier greife ich aus Sicherheitsgründen bisher lieber zu den bekannten „unfair Fashion“ Marken. In meiner Freizeit steige ich aber mehr und mehr auf Fair Fashion um, wobei mir die Kleidung von Stanley & Stella z.B. sehr gut gefällt.

Hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du etwas konventionell kaufst?

Ich muss gestehen, so geht es mir nicht. Vielmehr versuche ich immer wieder auch Fair zu kaufen weil ich überzeugt davon bin, dass ich auch einen Beitrag leiste, ohne zu 100% umzusteigen. 

Wie ernährst du deine Kinder?

Wir achten sehr darauf, dass unsere Tochter ausschließlich Bio-Gemüse und Obst aus dem Bio-Supermarkt zu essen bekommt. Das Fleisch, das wir ihr in den Brei mixen beziehen wir vom örtlichen Bauern. Auch wenn wir doch Mal zum Gläschen greifen müssen, weil die Zeit zum selber kochen einfach nicht da ist, achten wir auf Bio Qualität und kaufen nicht irgendwas. Manchmal stoßen wir bei unseren Verwandten damit auch auf Unverständnis („Wieso? Es ist doch nur eine Fleischwurst.“) aber wir sind da bisher sehr konsequent. 

Versteckst du manchmal, dass du dir über Nachhaltigkeit Gedanken machst?

Tatsächlich mache ich mir immer öfter so meine Gedanken, wenn wir beispielsweise jemand von einem „Super Schnäppchen“ vorschwärmt, dass er wieder gemacht hat. Ganz egal ob es dabei um Kleidung, Nahrung oder sonst etwas geht. Immer häufiger sage ich mir im Kopf: „Ok. Es mag günstig gewesen sein…aber: Warum ist das so?“ Meist spreche ich diese Gedanken aber nicht laut aus weil ich keine Lust auf unnötige Diskussionen habe.

Was magst oder magst du nicht an Fairnica?

Mir gefällt, dass dieser „Ganz oder gar nicht“ Ansatz bei Fairnica nicht existent ist. Ich halte es nicht für zielführend den Menschen zu sagen: „Du musst jetzt 100% vegan essen, darfst kein Leder mehr tragen und solltest am besten auch gar kein Auto mehr fahren“ Fairnica zeigt mir, was es z.B. alles für Produkte gibt und ich entscheide für mich selbst, in welchen Bereichen ich umsteigen möchte. In einigen hat es schon geklappt und wer weiß, was es noch alles Spannendes gibt.

Hast du schon Mal verpackungsfrei eingekauft?

Leider nein. Aber das Thema finde ich sehr interessant. Dank Fairnica weiß ich auch, dass in der Nähe bald ein verpackungsfreier Supermarkt eröffnen soll. Den werde ich dann auf jeden Fall aufsuchen.

Vielen Dank, lieber Tommy, für das tolle Interview. Habt ihr Fragen an Tommy, dann schreibt sie einfach unten in die Kommentare.